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Linguistik & Textoptimierung

Flesch-Reading-Ease: Die Deutsche Lesbarkeitsformel nach Amstad

Veröffentlicht am 19. Januar 2026 • 8 min Lesezeit • Redaktion Wortzaehler-Online.de

Ein exzellenter Text zeichnet sich nicht durch akademische Schachtelsätze oder endlose Fremdwortkaskaden aus, sondern durch seine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte klar und mühelos erfassbar zu vermitteln.

Um Lesbarkeit objektiv messbar zu machen, entwickelte der österreichisch-amerikanische Sprachforscher Rudolf Flesch 1948 den Flesch Reading Ease Score (FRE). Für die deutsche Sprache gilt jedoch eine grundlegend modifizierte Rechenvorschrift.

1. Warum die englische Formel im Deutschen fehlschlägt

Die englische Originalformel lautet:

FRE (Englisch) = 206,835 - (84,6 * ASW) - (1,015 * ASL)

Im Englischen besitzen Alltagswörter meist nur eine oder zwei Silben (z. B. car, work, book). Im Deutschen hingegen sind Wörter durch Komposita naturgemäß wesentlich länger (z. B. Kraftfahrzeug, Arbeitsplatz, Nachschlagewerk). Würde man die englische Skala unreflektiert auf deutsche Texte anwenden, erhielten selbst normale Zeitungsartikel vernichtend schlechte Werte im unlesbaren Bereich.

2. Die deutsche Anpassung nach Toni Amstad (1978)

Der Schweizer Publizist Toni Amstad kalibrierte die Formel anhand umfangreicher empirischer Untersuchungen im deutschen Sprachraum:

Flesch-Index (DE) = 180 - ASL - (58,5 * ASW)
ASL = Durchschnittliche Satzlänge (Wörter pro Satz)
ASW = Durchschnittliche Silbenanzahl pro Wort

3. Die Lesbarkeitsskala für den Alltag

Score Verständlichkeit Zielgruppe / Textart
90 – 100 Sehr leicht Kinderliteratur, Grundschulniveau
70 – 89 Leicht / Mittelleicht Unterhaltungsromane, Boulevardzeitungen
60 – 69 Standard (Ideal) Online-Artikel, Blogs, Fachzeitschriften
50 – 59 Anspruchsvoll Leitartikel (z. B. DIE ZEIT, FAZ)
0 – 49 Schwer / Sehr schwer Gesetzestexte, akademische Dissertationen

4. Praktische Tipps zur Steigerung Ihres Flesch-Wertes

  1. Sätze aufteilen: Bilden Sie Hauptsätze statt verschachtelter Nebensatzkonstruktionen mit drei Kommas. Ein Satz sollte im Schnitt 12 bis 16 Wörter umfassen.
  2. Verben statt Substantivierungen: Schreiben Sie „Wir analysieren das Problem“ anstelle von „Wir führen eine Problemanalyse durch“.
  3. Zusammengesetzte Wörter trennen: Vermeiden Sie Wortungetüme wie „Qualitätssicherungsrichtlinienstandard“.

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